Törggelen in Südtirol

Aus einem alten Südtiroler Weinbauernbrauch, mit seinen Helfern oder Freunden nach der Weinlese ein Fest zu feiern, entwickelte sich eine weit über die Region bekannte Touristenattraktion.

Mehr als ein Herbstfest

Esskastanien

In der Zeit von Oktober bis Mitte November findet in Südtirol das Törggelen statt. Der Name lässt sich auf das lateinische Wort „torculus“, die Weinpresse, zurückführen. Nach der Weinlese lädt der Winzer traditionell Helfer und Bekannte zu einem festlichen Mahl ein. Dazu wird Traubenmost oder auch junger Wein getrunken. Das Fest hat eine große Bedeutung in der Region. Gäste aus aller Welt genießen in Südtirol das angenehme Herbstwetter und die Tradition des Törggelen.

Südtirol – Land des Weinanbaus

Vermutlich wird schon seit 3.000 Jahren in Südtirol Wein angebaut. Das milde Klima in Flusstälern südlich der Alpen bietet günstige Anbaubedingungen. Die Südtiroler Weinstraße führt von Nals über Bozen bis nach Salurn. Im Etschtal werden neben Weißweinen auch Rotweine erzeugt. Im Eisacktal gedeihen wegen des raueren Klimas ausschließlich weiße Reben. Das kleine Südtiroler Anbaugebiet zählt mehr als 20 Rebsorten, darunter drei einheimische. Heute gibt es ca. 5.000 Weinbaubetriebe, die in genossenschaftlichen, verbandseigenen und freien Kellereien Qualitätsweine produzieren.

Eine sehr alte Tradition

Sicher ist, die Tradition des Törggelen geht auf die Weinbauern zurück. Nicht klar ist, ob die Weinbauern mit einem üppigen Mahl ihren Helfern danken wollten oder ob eine Feier mit Freunden und Bekannten lediglich zum Anlass genommen wurde, den jungen Wein zu probieren.
Ursprünglich wurde direkt in der Weinpresse gefeiert, heute vor allem in Buschenschenken und Gasthöfen. Als Buschenschenken werden Erzeugerbetriebe bezeichnet, die im Herbst und Frühjahr, ihre eigenen Weine ausschenken und dazu deftige Hausmannskost und bäuerliche Spezialitäten anbieten. Auch der Tradition verbundene Gasthöfe und Hotels beteiligen sich mit typischen Südtiroler Gerichten am Törggelen. Bei schönem Wetter lassen sich Wanderungen mit einer Einkehr beim Weinbauer oder mit Törggelenabenden im Hotel wunderbar verbinden.

Glas Rotwein

Speisen – damals und heute

Die Hauptmahlzeit bestand früher aus einfachen Speisen, wie Speck, Kaminwurz und Brot. Als Nachspeise gab es geröstete Kastanien und süße Krapfen.
Auch heute werden überwiegend deftige Gerichte serviert. Dazu zählen neben den traditionellen Speisen wie Hauswürsten, Speck, Geselchtem (Rauchfleisch), Surfleisch (Gepökeltes), Kraut und Knödeln, manche Besonderheit aus der Bauernküche.

Den Wein nicht vergessen

Die Gäste trinken dazu schwach gegorenen Traubenmost, der in Südtirol „Suser“ oder „Sauser“ genannt wird und unfiltrierten Jungwein, dessen alkoholische Gärung noch nicht abgeschlossen ist. Dieser kann aus der letzten oder vorletzten Produktion stammen.

Das Törggelen – unverwechselbar Südtirol

Auch in anderen Weinanbaugebieten gibt es im Herbst die Tradition, den Traubenmost der aktuellen Saison in Buschenschenken oder Straußwirtschaften zu probieren. Er wird in Deutschland beispielsweise Federweißer und Federroter genannt. Herbstfeste in Weinregionen der Mosel und der Pfalz tragen unterschiedliche Namen wie Federweißerfest, Weinlesefest, Weinkerwe oder auch Wein- und Kelterfest. Eine mit dem Südtiroler Törggelen vergleichbar lange Tradition haben diese Weinfeste nicht.

Bildquelle: FreeImages.com / gouvernant & Olga Shevchenko